Halbzeit in der German Football League. Die Hälfte der 14 Saisonspiele in der besten europäischen Footballliga haben die Eintracht Hildesheim Invaders nun hinter sich. Ein Anlass um die ersten sieben Partien Revue passieren zu lassen.

Feststellen dürfen die Männer um Cheftrainer Joe Roman zunächst, dass sie mit drei Siegen und vier Niederlagen gar nicht so übel dastehen. Die Düsseldorfer Panther, Berlin Adler und die Hamburg Huskies, die man unbedingt schlagen wollte, konnten die Invaders bezwingen. Zwei äußerst hart umkämpfte Duelle gegen die Monarchs aus Dresden gingen knapp verloren (49:77, 14:33). Dem aktuellen German-und EuroBowl Sieger Braunschweig mussten sich die Hildesheimer chancenlos ergeben (7:52) und gegen den Überraschungs-Spitzenreiter aus Berlin steht im Hinspiel eine knappe Niederlage zu Buche (13:30). Damit lässt sich leben, oder?

„Wenn mir vor der Saison jemand erzählt hätte, dass wir nach der Hälfte der Saison drei Siege auf dem Konto haben, das hätte ich sofort unterschrieben“, stellte Offensiv-Koordinator Christian Kling nach der letzten Partie gegen die Dresdner fest. „Natürlich ist es ärgerlich wenn man gegen ein Spitzenteam wie Dresden lange Zeit mithalten kann und eigentlich auch die Chance hat so ein Spiel zu gewinnen, aber in diesem Moment ist der Mannschaft auch einfach die fehlende Erstliga-Erfahrung zu verzeihen. Alles in allem können wir sehr stolz auf das sein, was wir bisher erreicht haben. Natürlich soll das jetzt aber noch ausgebaut werden.“

Vor der laufenden Saison gaben der Invaders-Vorstand und Cheftrainer Joe Roman in einer Pressekonferenz bekannt, dass man den Weg in die höchste American Football Division Deutschlands wagen würde. Neben finanziellen Hürden und komplizierteren Auflagen wollte man sich vor allem dem sportlichen Aspekt stellen. Die Invaders in der ersten Liga!? Noch vor ein paar Jahren wäre dies wohl beschmunzelt worden. Nun ist es Realität. Als Zielsetzung verkündete man zu dem Zeitpunkt den vermeintlich optimistischen Wunsch die Playoffs zu erreichen. „Wenn wir das Projekt GFL angreifen, dann nicht halbherzig. Ich trete an um Erfolg zu haben“, so begründete Coach Roman den damaligen Entschluss. „Wir steigen nicht auf um dann gegen die Abstieg zu spielen. Dafür bin ich zu sehr Siegertyp.“

Für die Qualifikation zu den Playoffs reicht zwar bereits der vierte Platz aus, allerdings ist auch dieser für einen Aufsteiger zumeist nicht einfach zu erreichen. Zurückblickend kann nun festgestellt werden, dass die Invaders voll auf Kurs liegen. Denn: Alle bisherigen Niederlagen kassierte man gegen die aktuellen Plätze Eins bis Drei. Die momentanen vierten der Liga, die Kiel Baltic Hurricanes, bekamen die Invaders bisher noch nicht zu Gesicht. Durch die Siege gegen die Düsseldorf Panther und die Berlin Adler konnten die Bördestädter dabei jedoch bereits zwei direkte Kontrahenten hinter sich lassen, gegen die wohl bei einem Nicht-Erreichen der Playoffs ein Abstiegskampf stattfinden würde. Damit scheinen die Invaders allerdings weniger zu tun zu bekommen. Der letztjährige Playoff- Teilnehmer Hamburg konnte darüber hinaus in die Schranken gewiesen werden. Ein Sieg, den man so vor der Saison nicht als garantiert ansehen musste.

Geprägt war die Saison dabei bisher von einigen Höhen und Tiefen. Der Auftaktsieg gegen die Düsseldorf Panther ließ zunächst sowohl offensiv als auch defensiv die Augen der Trainer und Fans funkeln. Trotz einiger Anfangsschwierigkeiten stand mit 51:20 ein klarer Sieg zu Buche. Die Offense punktete, die Defense hielt Stand. Mit dem darauffolgenden Spiel gegen die Lions aus Braunschweig allerdings wurde deutlich, dass doch etwas Sand im Getriebe von Offense und Defense stecken musste. Verletzungspech trug im Folgenden dann dazu bei, dass die Konstanz im Spiel der Hildesheimer fehlte. 49 Punkte, die die Blau-Goldenen gegen die Dresden Monarchs auf Hildesheimer

Rasen erzielten, sollten zum Beispiel nicht zu einem Sieg ausreichen. Zu groß waren die Lücken in der Hildesheimer Verteidigung. In den Spielen zuvor hatte Defensiv-Koordinator Sven Bröker die Ausfälle einiger Leistungsträger zu verschmerzen. So war es notwendig von Spiel zu Spiel an einigen Stellen etwas zu improvisieren. Verletzungen von u.a. Paul Jung, Manuel Wiesmann, Thomas Goepfert, sowie zwischenzeitlich auch Torben Dill galt es dabei aufzufangen.

Gegen die Berlin Adler schien bis spät im letzten Spielviertel alles eindeutig. Die Invaders führen 49:21 mit weniger als zehn Spielminuten auf der Uhr. Am Ende steht ein knapper 49:42 Sieg zu Buche. Den Sieg nehmen die Invaders mit, die Nachlässigkeit der letzten Minuten gilt es zu beseitigen.

Gegen die Hamburg Huskies folgen zwar einige Unsicherheiten, der Sieg fällt jedoch mit 76 zu 49 deutlicher aus. Das Offensivfeuerwerk, das die Invasoren in der Hansestadt abbrennen, stellt das dritte Spiel in Folge dar, in dem die Hildesheimer über 40 Punkte erzielen können.

Im Abschluss der Hinrunde sollte ein enger Fight im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion folgen. Auch wenn am Ende zwar die Niederlage besiegelt ist, so stimmt doch eine solide Leistung für den Rest der Saison optimistisch.

Als echter Volltreffer erwies sich in der ersten Saisonhälfte der US-Amerikaner Andrew MacReynolds. Mit einem Interception-Return-TD, sowie einem Kickoff-Return-Touchdown konnte er neben seiner eigentlichen defensiven Aufgabe sogar Punkte auf das Scoreboard bringen. Als echter Senkrechtstarter ist der vom damaligen Sechstligisten Hannover Grizzlies dazu gestoßene Tobias Dannenberg zu erwähnen. Der Safety bringt nach sieben Spielen bereits 39 Tackles auf das Feld. Hinter dem Amerikaner Eric Allen belegt er in der Invaders-internen Statistik damit Platz Zwei in Sachen Tackles.

Besonders aktiv im Angriff der Invasoren erwiesen sich im Laufe der bisherigen Spiele der Quarterback Zachary Cavanaugh und Runningback Reggie Bullock. Cavanaugh, der neben 15 Touchdown-Pässen auch ganze 7 Touchdowns „zu Fuß“ erlief, bediente außerdem die Hildesheimer Eigengewächse Paul Bogdann fünf, sowie Christian Fette vier mal. Bullock steuerte dazu neun Touchdowns bei. Unterstützt wird er dabei tatkräftig von Phil Gamble, der das Duo der US- Runningbacks in Hildesheim komplettiert. Auch er konnte bereits vier Mal die gegnerische Endzone erreichen.

In den kommenden Wochen gilt es für die Hildesheimer nun vom gelegten Grundstein zu profitieren. Um das mit Platz Vier betitelte Ziel am Ende zu erreichen müssen die Rückspiele gegen Düsseldorf, Hamburg und Berlin gewonnen werden. Auf Ausrutscher der verfolgten Teams kann zwar gehofft werden, jedoch werden die Partien gegen die Kiel Baltic Hurricanes vermutlich wegweisend sein. Sollte sich der bisherige Stand der Plätze Eins bis Drei verfestigen, so sind es vermutlich die Kieler, die den ärgsten Konkurrenten um den begehrten Playoff-Platz Vier darstellen. Nach einer dreiwöchigen Sommerpause müssen die Invaders nun in der Vorbereitung auf die entscheidenen Wochen möglichst auf Anhieb zurück in die Spur finden. Als erste Hürde reisen dazu die noch sieglosen Düsseldorf Panther an. Das Traditionsteam der GFL aus Nordrhein-Westfalen versucht derzeit mit allen Mitteln die drohende Relegation zum Abstieg abzuwehren, hat dabei jüngst die Coaching Crew ausgetauscht. Es wird also heiß hergehen, wenn die Panther am kommenden Sonnabend das Eintracht-Homefield am Philosophenweg betreten. Kickoff ist um 16 Uhr und die Invaders hoffen wie immer auf ein zahlreiches Erscheinen ihrer Fans. Auch diese erwiesen sich in den bisherigen Heimspielen und sogar auswärts als äußerst erstligatauglich.

In diesem Sinne. The show must go on!