Herr Meyer, derzeit wird über wohl über kein deutsches Football-Team so viel geredet, wie über die Invaders.

Frank Meyer: Dann würde ich doch sagen, dass wir ein Ziel erreicht haben.

 

Das müssen Sie mir erklären.

Naja, wenn du einen Spieler wie Casey Therriault verpflichtest, der eine sehr erfolgreiche Ära ausgerechnet beim Nachbarn aus Braunschweig geprägt hat, dann ist diese Aufmerksamkeit zu erwarten. Auch bei uns waren alle überrascht.

 

Überraschung ist gut! Sie haben ja nicht nur den Quarterback an Land gezogen sondern auch zig andere Spieler. Unter anderem Nate Morris, Joseph Lebeau und auch Jaleel Awini bleibt.

Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen. Ich habe von dem Gerede auch gehört. Ich persönlich kann das natürlich nicht nachvollziehen, ich kenne schließlich unsere Zahlen und kann alle anderen Teams und Experten beruhigen, die jetzt denken, die Invaders sind der nächste Pleiteverein. Das wird nicht passieren.

 

Sie schwimmen also im Geld…

(lacht) Nein, das tun wir nicht. Wie haben uns seit Jahren eine starke Basis in der Hildesheimer Wirtschaft erschlossen, super Partner an der Seite und planen erstmal ganz solide mit unserem letztjährigen Etat. Es ist ja nicht so, dass wir in der Vergangenheit keine Spieler aus Amerika und den Europa hatten. Wir haben aber beschlossen, einen Kracher wie Casey ganz bewusst zu verpflichten. Wir erhoffen uns eine Sogwirkung für neue Spieler und neue Partner. Deshalb sind wir auch so früh dran und haben die fixen Deals öffentlich gemacht. Wir wollen die Invaders-Familie an allen Fronten ausbauen und verbessern. Vor allem aber an der Basis. Wir brauchen neuen Partner für unser langfristiges Ziel.

 

Als Footballneuling sind Sie noch nicht einmal seit einem Jahr Geschäftsführer der GFL-Mannschaft Hildesheim Invaders. Wie fällt ihr erstes Fazit aus?

Es ist ein sehr zeit- und ressourcenintensives Geschäft – und logistisch ein Albtraum.  Alle sind auf Mannschaften eingerichtet, die maximal 22 Spieler haben. Das macht es für ein Footballteam mit 60 Mann plus X nicht gerade leicht. Aber es macht trotzdem wahnsinnig Spaß.

 

Im März diesen Jahres haben Sie gesagt, dass Sie in fünf Jahren so weit sein wollen, um den German Bowl mitspielen zu können. Stehen Sie nach wie vor zu diesem Wort?

Ja.

 

Wie wollen Sie diesem Ziel näher kommen? Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren jeweils maximal vier Spiele in der GFL gewonnen.

Indem wir Stück für Stück wachsen. Wir müssen uns spielerisch verbessern, brauchen mehr Erfahrung. Die haben wir vor allem In der Offensive dazu geholt. Aber wir wollen auch das Erlebnis American Football, also das Event, weiter vorantreiben. Wir wollen unseren eigenen Sportlern und den Gästen mehr bieten. Und vor allem zeigen, dass wir hier Football spielen können. Das Ziel ist aber ganz klar nachhaltig zu arbeiten. Vor allem im Jugendbereich. Unsere GFL-Spieler sollen Vorbilder und Mentoren sein und wir wollen allen zeigen, dass sie Football bei uns lernen können.

 

Im Moment holen Sie viele Spieler von außen. Ein Team wie Köln zum Beispiel, kommt mit weniger Spielern aus dem europäischen Ausland klar.

Das ist sicherlich erstrebenswert. Aber inwieweit das in unserem Einzugsgebiet grundsätzlich möglich ist, das wird sich zeigen. Wir liegen geografisch eingekesselt von zwei großen Städten. Wir haben eben den sportlich großen Bruder Braunschweig nebenan, als auch viele aufstrebende Mannschaften in Hannover. Und ob es uns gelingt, Hannoveraner  und Braunschweiger  langfristig für Hildesheim zu begeistern, das wird nur die Zeit zeigen.

 

Nochmal zurück zu Ihren neuen Quarterback Casey Therriault. Der ist ja sicherlich kein Schnapper. Wie wollen Sie mir erklären, dass Sie diese gestandenen GFL-Spieler wie ihn, ohne Aufstockung des Etats gewinnen konnten?

In dem Fall war es nicht Geld allein, sondern auch die Tatsachen, dass er gesehen hat, dass uns unsere Spieler nicht egal sind. Nach der  Verletzung von Jaleel Awini haben wir uns auch über die Saison hinaus um ihn gekümmert und die medizinische Versorgung gewährleistet. Außerdem seine Mutter hier für gewisse Zeit herübergeholt. Und haben wir hier eine gewisse Lebensqualität. Schöne Wohnungen, kurze Weg, ein familiäres Miteinander. Das haben sich die Neuzugänge von Jaleel und den anderen Importen bestätigen lassen. Wir wollen unseren Familiengedanken nicht nur predigen, sondern auch leben.  Die Grundidee, die ich hatte, ist, dass ich denselben Etat nehme, aber die richtigen Spieler hole. Jetzt sagt vielleicht der ein oder andere, dass er gern mit Casey Therriault spielen will. Das ist mein Plan.

 

Gut, aber nur mit gut zureden konnten Sie die anderen Vereine sicherlich nicht ausstechen…?

Wir konnten uns finanziell einigen und die Chance, dass er hier etwas mit aufzubauen kann, die hat ihn überzeugt. Aber auch seine Freunde wie Joseph LeBeau und Nate Morris spielen eine große Rolle bei seiner Entscheidung.

 

Wie hat das Team die Verpflichtung dieser Spieler aufgenommen?

Das hat erstmal alle kalt erwischt. Der gesamte Trainerstab und die Mannschaft hat das erst in Nacht zum vergangenen Sonnabend erfahren. Ich wollte diesen Deal im Vorfeld auf gar keinen Fall gefährden. Die Reaktionen vom Team und den Coaches waren mehr als positiv.

 

Haben Sie die Spieler nur im Paket bekommen?

Nein, wir haben alle parallel und einzeln verhandelt und sind mit dem Resultat natürlich sehr zufrieden.

 

Mit diesen Verpflichtungen machen Sie schon eine Ansage…

Es wäre wirklich schön, wenn wir endlich die Playoffs erreichen würden. Na klar träumt jeder Sportler auch vom German Bowl in Frankfurt. Aber so weit wollen und dürfen wir nicht schauen. Es vor allem auch zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwer zu beantworten. Andere Mannschaften mit mehr Geld rüsten natürlich auch auf. Aber es ist ja Weihnachtszeit, wünschen darf man sich alles.

 

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Headcoach Matt LeFever?

Für den Kaltstart hat er seine Sache sehr ordentlich gemacht. Zumal wir und im ersten Jahr, losgelöst vom Stammverein Eintracht Hildesheim, mit neuer Firma und komplett neuen Rahmenbedingungen in ein ganz neues Fahrwasser begeben haben. Das haben wir ganz gut hinbekommen. Es war aber auch nicht leicht. Wir haben allen Beteiligten viel abverlangen müssen – quer durch den Verein.

 

Sie haben den Klassenerhalt geschafft.

Das verdanken wir nur der gesamten Mannschaft. Jeder hat sein Bestes geben. Aber klar, es hat im Vorfeld auch ein paar Fehlentscheidungen gegeben. Das war nicht immer so ganz leicht.

 

Es gibt immer wieder Stimmen, die sagen, der Mannschaft ginge nach und nach die Identifikation mit dem Verein flöten.

Also erstmal hatten wir auch im letzten Jahr einige Imports und Spieler aus ganz Norddeutschland im Kader. Wir haben einen kleinen Umbruch, vielleicht. Aber trotzdem ist von der alten Mannschaft mehr als die Hälfte geblieben. Einige der Importe haben wir dazu bewegt, bei uns zu bleiben. Aber ja, Es gibt viel Gerede, dass es bei uns auseinander geht. Uns ist es wichtig, den Kern zusammenzuhalten. Deshalb versuchen wir, Urgesteine weiter an die Mannschaft und den Verein zu binden. So wird zum Beispiel Olaf Richter Regisseur für die Livestreams sein. Die Verwaltung ist jetzt bei Dominic Mai, Sascha Diekert verantwortet das Sportliche und Thomas Bonk die Sponsoren. Und so schaue ich, dass ich immer noch jemanden finden kann, dann ist alles super. Es muss nur koordiniert werden und wir brauchen viele Schultern. Wir wollen in Zukunft viel mehr Sportler aus den eigenen Teams in der GFL-Mannschaft sehen. Daran arbeiten wir. Und darüber hinaus habe ich auch Leute aus meinem Freundeskreis begeistern können im Organisations-Team der Invaders mitwirken zu können. Neben Christian Schäfer, der sich u.a. um den Gameday inklusive Invaders Burger von den Abbetmeiers kümmert (Abbi ist auch Ur-Invader), ist auch Dr. Hauke Bensch stark involviert. Er hat in der abgelaufenen Saison quasi im Alleingang und mit sehr beschränkten Mitteln einen qualitativ hochwertigen Livestream auf die Beine gestellt.

 

Manager Ralf Rimrodt hat das Team verlassen. Wie läuft es ohne ihn?

Die Zusammenarbeit mit den neuen genannten Freiwilligen läuft gut. Wir arbeiten Hand in Hand und in dem Fall. Und ich bin ganz oft froh über neuen Input. In Personalfragen muss ich mich sehr kritischen Diskussionen aussetzten. Vor allem mit Sascha diskutieren wir sehr kritisch, aber auch sachlich. Ich komme halt nicht aus dem Sport. Und es ist ein Unterschied, ob ich ihn selbst gespielt habe oder nicht. Aber dafür habe ich Sascha und Dome. Was ich aber auch sehr wohl verstehe, ist die Belastung für das Ehrenamt. Da wollen wir sehr viel machen. Wir wollen mehr Benefit für die Familien, für die Kinder erreichen. Die familiäre Belastung für alle ist immens. Das wollen wir anders regeln.

 

Was können Sie organisatorisch für 2019 schon verraten?

Es wird deutlich mehr Vorverkaufsstellen geben. Außerdem machen wir ein Testspiel am Wochenende nach Ostern gegen die Munich Cowboys. Noch mal starten wir nicht so unvorbereitet in die Saison. Aber um das auch nochmal ganz deutlich zu sagen: Wir hätten natürlich gern richtige Toiletten, Flutlicht, ein Dach über der Tribüne. Aber solange wir Mieter sind, arbeiten wir mit mobilen Lösungen. Glücklich sind wir darüber nicht. Aber über unser Catering. Das ist super!