“Wie bitte fülle ich den Artikel für die nächste Woche sinnvoll? Wird’s mal nur ein Satz?“ – „I tell you what – No, I can’t.“

Das war der Gedanke am komplett frustrierenden Samstagabend. Enttäuschung, Ärger und Frust. In wirklich allen Gesichtern zu sehen. Da sind die ruhigsten Jungs plötzlich laut geworden, Handschuhe und Helme flogen in der Teamzone und emotionale Entgleisungen neben dem Feld führten fast zu offiziellen Strafen auf diesem. Chapeau, dass es sich viele doch nicht nehmen lassen haben nach einem solchen Spiel noch zu den Rängen zu kommen, um sich bei den Fans zu verabschieden. Das muss Überwindung gekostet haben und war nicht selbstverständlich. Das direkte in-die-Kabine-gehen von Einigen konnte ich allerdings auch absolut nachvollziehen. Mir fiel das Aufstehen und Applaudieren -nach Dauerklatschen während des Spiels- auch nicht mehr leicht. Und dann ist plötzlich Montag – und alles komplett anders.

Die Zusammenarbeit mit Alex und HC Joe Roman soll beendet sein. Im Fußball ist sowas Normalität – aber in unserem Sport, in unserer Stadt? Neuland für mich. Und auch die Reaktionen auf die offizielle Pressemitteilung zeigen eine Spannbreite von Trauer, Verständnislosigkeit aber auch bejahenden Stimmen. Neben all’ den kritischen Stimmen bzgl. des Zeitpunktes und der Tatsache sich von den Coaches zu trennen, darf eines nicht aus dem Blick gelassen werden: Respekt und Wertschätzung. Respekt vor den Leistungen der Coaches: Joe Roman hat den Verein nicht nur finanziell gepushed, indem er benötigtes Equipment wie selbstverständlich aus eigener Tasche zahlte, sondern war 24/7 auf Football fokussiert.

„But you were my light to a almost ending career. What I have now is all because of you. I owe you more than words. You did more for this club the people could image and time you spent into coaching.“ – Reggie Bullock

Die Videocrew hatte immer alle Hände voll zu tun, um dem Coach nach Auswärtsfahrten spätestens gleich beim Passieren der ersten „Hildesheim“-Ortstafel das komplette Bildmaterial zur Nachbearbeitung zur Verfügung zu stellen; einige Spielausschnitte wurden bereits auf Rückfahrten durchgeguckt. Mehr Herzblut kann man einer Sache nicht widmen.

„The season didn’t go the way we planned, but i’ll always be grateful for the opportunity you gave me. I wish you nothing than the best Coach Roman“ – Jacob Adelman

Und auch Alex Burdette hat als junger Coach bis zum Schluss auf sein anspruchsvolles Spielsystem gebaut und war auch sonst schon in der Hildesheimer Footballbande ein festes Mitglied und sehr geschätzt. Aber was war da auch noch? Wertschätzung. Und das nicht nur den Coaches gegenüber; nein, vielmehr denjenigen, die als Protagonisten jedes Mal wieder auf’s Feld einlaufen und gewinnen wollen. Wertschätzung dem Team gegenüber. Es mag komisch klingen, aber diese Entscheidung ist gleichzeitig das größtmögliche Bekenntnis zu jedem „Struggler“, der sich nach Saisonende vielleicht von der Mannschaft abgewendet hätte. Hier wurde im Management auf die immer lauter werdende Kritik reagiert. Jungs, die teils seit der Jugend für und in Hildesheim American Football spielen, sind der wirkliche Kern des Teams. #IhrseidFootballinHildesheim

Was kann dieser Zuspruch des Managements jetzt aber auch bedeuten? Die Zeit der Ausreden sind ab sofort definitiv vorbei. Nun kann sich niemand mehr hinter der Erfahrung des Coaches verstecken. Um das mal ganz klar zu formulieren: Für manche Spieler waren die Sturheit unseres Headcoaches und die „andere“ Sicht auf Football in Kombination mit dem vorhandenen Personal einfache Ausreden. Da konnte man dann mal raushauen, dass er sowieso nur seine Lieblingsspieler bringt und sich mehr Engagement und Initiative spielzeittechnisch sowieso nicht auszahlen würden. Jetzt zählt es: Jeder muss zeigen aus welchem Holz er geschnitzt ist.

„When I lost all my excuses – I found my results.“

Worauf ich mich richtig freue? Auf den Mann, der das schwere Erbe als Headcoach jetzt wieder antritt: Coach Christian Kling. Als ruhiger Fels in der Brandung ist er genau der Richtige, um zusammen mit den Jungs die letzten beiden Spieltage konzentriert vorzubereiten und gleichzeitig für alle die Liebe zum Sport auf dem Feld wieder zu entfachen.

Eine Sache ist da auch noch zu klären – Darf „I tell you what“ bleiben oder muss ich mir zum Ende der Saison noch einen neuen Titel für diese Art von Artikeln überlegen? Zum Hintergrund: „I tell you what“ ist der legendäre Einleitungssatz unseres HC Joe Roman. Mit diesen Worten leitete er in nahezu jedem huddle die „all eyes on him“-Ansprachen ein. Wenn seine Stimme ertönte, waren alle Augenpaare auf ihn gerichtet. Mal waren die folgenden Worte lobend, manchmal dann eher wütend – immer alles hervorgerufen durch die Leidenschaft zum American Football.

Coach Roman, jetzt ist die Zeit gekommen – „I’ll tell you what“: Der Aufstieg in die GFL ist dein Werk. We’ll miss you.

#themanthemyththelegend